ROLF SCHÖNLAU
 

Null

 

Man hatte sich soeben wieder neu gegründet, nicht im Jahr Eins oder einem mit einer anderen natürlichen Zahl bezifferten Jahr. Schließlich hielt man sich zugute, wieder bei Null angefangen zu haben, in einer Zeit, wie sie kein Kalender kennt, einer Zeit vor aller Geschichte, auch wenn es sich nur um eine Stunde gehandelt haben soll.

Es war im Mai, so beginnt die Erzählung, in einem besonders schönen Mai dazu, wie man sich gern im Detail erinnert, auch wenn die Natur ein, zwei Wochen zurück war in der Entwicklung. Als hätte sie, geht es empfindsam weiter, als hätte sie abgewartet, ob es endlich etwas wird mit dem Frieden. Ein Gedanke, der Sehnsuchtsbilder heraufbeschwört, gefühlten Erinnerungen gleich: Wiesen strotzend vor Löwenzahn, blühende Apfelbäume und dann die Buchenhecke, deren zartes Grün umso frischer erscheint, als sie noch hier und da im vertrockneten Braun des Vorjahres steht.

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